Die beiden Windräder nördlich von Philippsthal an der hessisch-thüringischen Landesgrenze gehören dem Hamburger Infrastrukturdienstleister MPC Capital. K+S hat mit MPC einen Vertrag über die Direktlieferung des erzeugten Windstroms abgeschlossen, ohne den Umweg über das öffentliche Stromnetz zu nehmen.
Dr. Jens Christian Keuthen ist als Vorstandsmitglied bei K+S für die Bereiche Dekarbonisierung und Energie zuständig. Er sagt dazu:
„Einen Windpark direkt an das Verbundwerk Werra anzuschließen, passt perfekt zu unserer Unternehmensstrategie, bis 2045 als K+S treibhausgasneutral zu werden. Nach dem Aufbau erster Power-to-Heat-Kessel ist dieses Projekt daher ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Dekarbonisierung der Kali-Produktion in Deutschland. Wir möchten langfristig Wertschöpfung und Arbeitsplätze sichern und unseren CO2-Fußabdruck verringern. Dafür benötigen wir aber auch die Unterstützung der Politik: für leistungsfähige Netzanschlüsse, bezahlbare Strompreise, maßvolle CO2-Preise und zielgerichtete Förderungen für klimafreundliche Transformation der Industrie.“
Große regulatorische Hürden bis zur Realisierung
Für den Anschluss des Windparks hat K+S einen mittleren sechsstelligen Betrag investiert. Die technische Umsetzung erfolgte innerhalb weniger Wochen. Doch eine Blaupause für die vertragliche Gestaltung so eines Projektes gab es nicht. K+S ist eines der ersten Unternehmen, die einen Vertrag über Direktlieferung mit Erzeugern erneuerbarer Energien geschlossen haben. Markus Midden, Leiter Energy & Decarbonization bei K+S, sagt: „Die kommerzielle und technische Idee, einen Windpark direkt an eines unserer Werke anzuschließen, war schnell geboren. Aber weil die Rahmenbedingungen so komplex sind und das Projekt für alle Beteiligten Neuland war, hat die vertragliche Umsetzung viel Zeit in Anspruch genommen. Dabei haben unsere K+S und unser Partner MPC Capital große Innovationskraft bewiesen.“
Constantin Baack, CEO der MPC Capital AG, sagt zum Projekt: „Die Energiewende erfordert nicht nur neue Erzeugungskapazitäten, sondern auch zukunftsweisende Infrastrukturpartnerschaften auf Basis konkreter Projekte. Dieses Modell zeigt, wie privates Kapital und Industrieunternehmen gemeinsam innovative Lösungen entwickeln können, kapitalschonende industrielle Transformation und langfristig gesicherte Cash-Flows miteinander zu verbinden.“
Win-Win: mehrere Vorteile für K+S und MPC
Durch die direkte Abnahme des Stroms ist der Einkaufspreis der Energie langfristig planbar. Da der Strom nicht über das öffentliche Netz fließt, entfallen außerdem die Netzentgelte. Durch die direkte Abnahme gelten andere regulatorische Rahmenbedingungen, die eine bessere Ausnutzung der Windräder ermöglicht. Die Anlagenleistung kann bedarfsgerecht im Werk Werra genutzt werden und trägt dadurch auch zu einer Entlastung des Stromnetzes im Werratal bei. K+S kann auf diese Weise die industrielle Transformation anstoßen, ohne selbst in größerem Umfang in Anlagen investieren zu müssen, die erneuerbare Energien erzeugen.
Windstrom fließt direkt in die Kali-Produktion
Der vor Ort erzeugte Windstrom fließt im Verbundwerk Werra direkt in die Produktionsschritte für Düngemittel und weitere Produkte. Dass der Umstieg von Erdgas auf Strom Potenzial hat, beweist K+S seit Anfang 2025 mit der Produktreihe C:LIGHT. In deren Rahmen produziert K+S Kalium- und Magnesiumdüngemittel mit einem bis zu 90 % geringeren CO₂-Fußabdruck im Vergleich zu konventionellen K+S-Produkten.[i]
Ein wichtiger Schritt wurde dabei mit der Power-to-Heat-Technologie (PtH) gemacht. Die neu errichteten PtH-Kessel können Wärme und Dampf mit Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen und so den CO₂-Ausstoß erheblich reduzieren. Dadurch können Düngemittel mit einem deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck produziert werden. K+S leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Landwirtschaft.
Verbundwerk Werra: Umstieg von Erdgas auf Strom
Als langfristiges Commitment unterstützt K+S die Ziele des Pariser Klimaabkommens, Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen.[ii] Die hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Technologie (KWK) mit Erdgas als Energieträger dient bis dahin auch am Werk Werra als Brückentechnologie und soll zunehmend durch Strombezug ersetzt werden. Matthias Lückert ist Leiter Energietechnik am Werk Werra. Er sagt: „Wir möchten lernen, im alltäglichen Betrieb mit schwankender Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen umzugehen. Die 11,4 MW der beiden Windräder in Philippsthal sind dafür die optimale Größe.“ Wenn sie unter Volllast laufen, werden sie ca. 10 Prozent des aktuellen Leistungsbedarfs des Werks Werra decken, rechnet er vor. „Über das Jahr hinweg prognostizieren wir für den Windpark einen Anteil an der benötigten Strommenge von rund drei Prozent“, so Lückert.
Über K+S und das Werk Werra
Wir leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag: Landwirten helfen wir bei der Sicherung der Welternährung. Mit unseren Produkten halten wir zahlreiche Industrien am Laufen. Wir bereichern das tägliche Leben von Konsumenten und sorgen für Sicherheit im Winter. Mit rund 11.500 Mitarbeitern, Produktionsstätten auf zwei Kontinenten und einem weltweiten Vertriebsnetz sind wir ein verlässlicher Partner für unsere Kunden. Gleichzeitig richten wir uns neu aus: Wir setzen noch stärker als bisher auf Düngemittel und Spezialitäten. Wir werden schlanker, kosteneffizienter, digitaler und leistungsorientierter. Auf einer soliden finanziellen Basis erschließen wir uns neue Märkte und Geschäftsmodelle. Wir bekennen uns zu unserer gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung in allen Regionen, in denen wir tätig sind. Erfahren Sie mehr über K+S unter
Das Verbundwerk Werra mit seinen Standorten Hattorf und Wintershall in Hessen und Unterbreizbach und Merkers in Thüringen ist der größte Standort der K+S Minerals and Agriculture GmbH. Im Kaliwerk Werra werden neben Düngemitteln auch Vorprodukte für vielfältige technische und industrielle Anwendungen sowie für die Pharma-, Lebensmittel- und Futtermittelindustrie hergestellt. Es beschäftigt fast 4.700 Menschen, darunter 300 Auszubildende. Damit ist es ein wichtiger Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb im Städtedreieck zwischen Bad Hersfeld, Bad Salzungen und Eisenach. Darüber hinaus ist es ein bedeutender Auftraggeber für die ansässige mittelständische Wirtschaft und trägt maßgeblich zur Wertschöpfung in der Region bei. Das macht es zu einem zentralen Baustein für die wirtschaftliche und demographische Entwicklung der Region Osthessen/Westthüringen.[iii]
Über MPC Capital
MPC Capital ist ein global agierender Investment Manager und unternehmerischer Partner für Infrastrukturprojekte. Das Unternehmen entwickelt, finanziert und betreibt Projekte für institutionelle Investoren in den Bereichen Maritime und Energy. Mit knapp 280 Mitarbeitenden managen und betreiben die Unternehmen der MPC Capital-Gruppe rund 400 Assets mit einem Gesamtwert von EUR 5,4 Mrd. und decken dabei den gesamten Lebenszyklus mit integrierten Dienstleistungen ab. Als verantwortungsbewusstes, 1994 gegründetes und seit 2000 börsennotiertes Unternehmen leistet MPC Capital damit nicht nur einen Beitrag zur Finanzierung, sondern auch zur Umsetzung und zum effizienten Betrieb von Investitionen, die zur Erreichung der globalen Klimaziele erforderlich sind.
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[i] Bilanzielle Zuordnung bedeutet, dass in einem räumlichen und zeitlichen Bezug benötigte Energie, Wärme und Dampf dem Produkt zugeordnet werden. Das heißt, die Zuordnung der im PtH-Kessel erzeugten Wärme zum Produkt erfolgt innerhalb von sechs Monaten sowie nur an denjenigen Standorten, an denen innerhalb der jeweiligen Produktionslinie die PtH-Kessel auch eingesetzt wurden. Die CO2-Reduzierungen beziehen sich dabei auf Scope 1 + 2 gemäß des GHG-Protokolls. Das zugrundliegende Referenzjahr ist 2020. Die dazugehörige Berechnungsmethodik wurde auf Grundlage ISO 14040 und 14044 verifiziert. Der Strom aus erneuerbaren Energien wird in Deutschland erzeugt und durch Erwerb und Verrechnung von Herkunftsnachweisen des Herkunftsnachweisregisters (HKNR) bilanziert.
[ii] K+S Geschäftsbericht 2025, S. 212; kpluss.com/de-de/nachhaltigkeit/umwelt-und-ressourcen/klimawandel.
[iii] Studie zu den sozioökonomischen Wirkungen des Werkes Werra, 2017, vgl. https://www.kpluss.com/de-de/ueber-ks/standorte/europa/werra/sozio-oekonomische-studie/.