Wenn der gewählte Studiengang nicht der richtige ist

Studienzweifel kennt wahrscheinlich jeder Studierende. In manchen Fällen gehen die Zweifel jedoch nicht mehr weg. In diesem Blogbeitrag wollen wir hilfreiche Tipps und Lösungsansätze für den Umgang mit solchen Zweifeln geben. 

Jeder Studierende war wahrscheinlich schon einmal in der Situation und hat sich gefragt, ob das aktuelle Studium überhaupt das richtige ist. Obwohl diese Thematik weit verbreitet ist, sprechen nur die wenigsten Studierenden darüber.

Michelle, Praktikantin im Personalmarketing, berichtet in diesem Blog darüber, wie sie mit ihren Zweifeln umgegangen ist und für sich den richtigen Weg gefunden hat.

Oktober 2016

Im Oktober 2016 habe ich mein Soziologiestudium an der Universität Kassel begonnen. Eigentlich wollte ich nach dem Abitur eine kaufmännische Ausbildung absolvieren, aber leider habe ich nur Absagen erhalten. Also überlegte ich mir eine Alternative. Eine damalige Arbeitskollegin hat zu diesem Zeitpunkt Soziologie studiert und durch ihre Erzählungen klang das für mich ebenfalls ganz interessant. Da es diesen Studiengang nur als Kombinationsbachelor an der Universität Kassel gibt, habe ich im Nebenfach zusätzlich Politikwissenschaften studiert. Während der Oberstufe hatte ich Politik und Wirtschaft als Leistungskurs gewählt, deshalb dachte ich, dass dieser Studiengang schon zu mir passen wird.

Startschwierigkeiten

Am Anfang war alles ziemlich neu. Ich musste mich erstmal an die Uni gewöhnen, denn das Studium ist nochmal etwas ganz anderes als die Schule. Ich war etwas überfordert mit der neuen Situation und mir fehlte ein wenig der Durchblick. 

Zunächst habe ich meine Bedenken zur Seite geschoben und gedacht, dass sich das mit der Zeit von alleine legen wird. So vergingen die Semester.

Aber auch nach mehreren Semestern wusste ich nicht viel über meine Studienordnung und Prüfungen und meine Semester waren wenig strukturiert. Daher habe ich auch die vorgeschriebene Anzahl an Credits nie erreicht. Das integrierte Praktikum habe ich ebenfalls Semester für Semester vor mir hergeschoben. Ich hatte einfach keine Vorstellung, wo ich das Praktikum absolvieren soll.

In der Sackgasse

Irgendwann kam der Punkt, an dem ich das Praktikum nicht mehr aufschieben konnte. Ich war mittlerweile im 5. Semester und kann mir bis heute nicht erklären, wie ich das geschafft habe. Jedenfalls ist mir klar geworden, dass ich das Praktikum aus einem ganz bestimmten Grund immer wieder aufgeschoben habe. Ich konnte mir nicht vorstellen, später in einem beruflichen Bereich zu arbeiten, der mit meinem Studium zu tun hatte.

Zuerst wollte ich es nicht wahr haben, dass ausgerechnet ich mich im Studiengang geirrt hatte. Das passiert doch nur anderen, aber nicht mir. 

Anscheinend war aber genau das eingetreten und ich befand mich in einer Sackgasse. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man sich für etwas nur interessiert oder ob man sich auch vorstellen kann, in diesem Bereich sein ganzes Leben zu arbeiten. 

Als nächstes stellte ich mir die Frage, ob ich es einfach durchziehe und das Studium abschließe, um etwas in der Hand zu haben - danach hätte ich dann immer noch einen anderen Studiengang wählen können -, oder ob ich das Studium sofort abbreche und mich direkt für einen anderen Studiengang einschreibe. 

Um meine Entscheidungsfindung zu erleichtern, machte ich einen Termin bei der Studienberatung und merkte schnell, dass die beste Lösung ein Studiengangswechsel war.

An dieser Stelle kann ich jedem, der sich mit den gleichen Gedanken herumschlägt, den Gang zur Studienberatung nur empfehlen.

Stell dir bei der Wahl des Studiums nicht nur die Frage, was dich interessiert. Sondern frag dich auch, ob du dir vorstellen kannst, in dem Bereich tagtäglich zu arbeiten.“

Auf dem richtigen Weg

Danach ging alles ziemlich schnell. Ich machte mir Gedanken, was mich wirklich interessiert und wo ich mir vorstellen kann, später zu arbeiten. Dabei erinnerte ich mich an meinen Wunsch, nach dem Abitur eine kaufmännische Ausbildung zu absolvieren. Glücklicherweise bietet die Universität Kassel dazu den passenden Studiengang an. Zum Sommersemester 2019 habe ich daraufhin mein wirtschaftswissenschaftliches Studium begonnen und ich bereue meinen Wechsel absolut nicht. Das Einzige, was ich bereue: dass ich nicht schon früher mein Studium gewechselt und meine Zweifel so lange abgetan habe. Seit dem Wechsel erlebe ich das Studieren auf eine ganz andere Weise. Ich bin bisher selten in etwas so sehr aufgegangen wie in diesem Studiengang. Das klingt vielleicht für viele merkwürdig, aber mir macht das Studieren richtig Spaß. Ich freue mich auf jedes Semester und bin gespannt, was ich noch dazulernen werde. Selbst schwierige Module machen mir Spaß, weil ich alles verstehen will und mir immer wieder das Ziel vor Augen halte, mit einer guten Note abzuschließen. So muss ich mich nur selten zum Lernen zwingen. Jetzt weiß ich, was es heißt, von etwas total begeistert zu sein. Umso glücklicher war ich auch über den Praktikumsplatz im Personalmarketing bei K+S. Endlich kann ich Praxiserfahrungen sammeln und mein Wissen anwenden.

Noch ein paar Tipps

Jedem Studierenden, der sich in diesem Blogpost wiederfindet, kann ich nur raten, die Zweifel zuzulassen und sich damit auseinanderzusetzen.

Natürlich sollte man nicht bei jedem Zweifel die Flinte ins Korn werfen, aber wenn ihr merkt, dass euch die Zweifel über eine längere Zeit begleiten und nicht weniger werden, dann solltet ihr euch fragen, ob ihr in eurem Studiengang richtig seid.

Ein Wechsel hat absolut nichts mit Scheitern zu tun. Es gibt so viele Studierende, die ihren Studiengang gewechselt haben. 

Haltet euch immer vor Augen, dass ihr einen Großteil eures Lebens mit Arbeiten verbringen werdet. Deshalb solltet ihr diese Zeit nicht mit etwas verbringen, das euch unglücklich macht und keinen Spaß bereitet. Niemand wird euch später fragen, warum ihr zwei oder drei Jahre später fertig werdet als andere. 

Ich hoffe, meine persönliche Geschichte hat dem ein oder anderen geholfen oder sogar Mut gemacht.

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