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Meine Geschäftsreise nach Indien - Teil 3/6

Hier gibt es den dritten Teil von Kay's erlebnisreicher Reise nach Indien.

Jedes Vorurteil über Indien ist wahr, und das 100%-ige Gegenteil auch…

Man hört immer wieder, dass Indien ein armes Land sei, aber so pauschal lässt sich das nicht sagen. Zum Beispiel ist ein Landwirt nicht arm, nur weil er nicht liquide ist. In einigen Teilen des Landes kostet ein Acre Farmland (ca. 4047 m²) knapp 30.000 Euro. Ab einer gewissen Ackergrößte hat ein Farmer auch Personal. Ein Arbeiter kostet bis zu 4,40 Euro pro Tag. Es mangelt hier also eben nur an der Liquidität. Aus diesem Grund ist die Landwirtschaft eine Branche, in der über Kredite und lange Zahlungsziele vorfinanziert wird.

Einige Kredit- oder Ratenzahlungsgeschäfte sind so organisiert, dass der Landwirt immer wieder ungünstige Entscheidungen treffen muss, was seine Liquidität weiterhin einschränkt. Düngemittel kann der Landwirt zum Beispiel oft mit einem langfristigen Zahlungsziel kaufen, welches kurz nach der Ernte liegt. Er muss also direkt nach seiner Ernte die Ware verkaufen, auch wenn die Preise im Keller sind. Obendrein bietet ihm sein Händler nur für Produkte mit hoher Marge langfristige Zahlungsziele an. Günstigen oder subventionierten Dünger müsste der Landwirt meist sofort bezahlen, was dieser nicht immer finanzieren kann. Außerdem glaubt er dem Rat seines Händlers, dass der teurere Dünger auch erkennbar besser ist. Somit fühlt sich der Landwirt quasi gezwungen, immer wieder auf die teuren Produkte zurückzugreifen, da sie seinem Händler mehr helfen als ihm. 

Dieses Konzept mit langfristigen Zahlungszielen zieht sich durch die gesamte Handelskette. Kein Händler kann es sich leisten, den Dünger für alle seine Kunden vorzufinanzieren. Sie haben mit ihrem Großhändler ein entsprechendes Zahlungsziel vereinbart. Der Großhändler nutzt das gleiche Konzept beim Importeur. Niemand hat das Geld (oder will es für diesen Zweck binden), um landwirtschaftliche Eingangsstoffe vorzufinanzieren. Nach der Ernte muss also rasch das Geld eingetrieben werden, bevor ein anderer es sich holt.

Selbst Banker haben erkennbare Probleme den Landwirten Kredite anzubieten. Wenn der Landwirt seine Ernte auf dem Auktionsmarkt versteigern lässt und bar ausbezahlt wird, muss der Banker persönlich beim Landwirt vorbei um das Geld einzutreiben. Wenn der Verkaufserlös des Landwirts jedoch sofort auf sein Konto überwiesen wird (sofern er eins besitzt) ist der Banker zufrieden und Kredite sind kein Problem.

 

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Wenn man von einer Reise erzählt, spricht man oft von „Land und Leuten“. Da ich bisher viel über die Leute erzählt habe, möchte ich nun ein wenig über das Land berichten.  Auf der Rückfahrt von Nashik sind wir durch ein Tal gefahren. Hierbei handelt es sich um einen winzigen Ausläufer der Gebirgskette, die sich an der gesamten Westküste Indien von Norden nach Süden schlängelt. Pune und Nashik liegen östlich im Landesinneren, Mumbai westlich an der Küste. Man merkt den Unterschied, denn in Mumbai ist die Luftfeuchtigkeit etwas höher als im Landesinneren.

Wenn man sich auf dem Bild die Feldstrukturen ansieht, erkennt man viele kleine Acker. Die Landwirte setzen auf Diversifizierung und Risikostreuung. Sollte es in einer Feldfrucht eine Überproduktion und somit einen Preisverfall geben, geht nicht der ganze Ernteerlös den Bach runter. Manchmal erkennt man aber auch, dass auf mehreren Feldern dasselbe angebaut wird, da die Felder verschiedene Besitzer haben. Das Land ist wie ein Flickenteppich. Realeinteilung sei Dank haben sich die Ackerflächen im Kaufe der Generationen immer weiter verkleinert. Vor einigen Jahren hat die Regierung versucht, eine Konsolidierung der Äcker zu erreichen mit eher magerem Erfolg. Die Landwirte sind nicht bereit, Ackerflächen zu tauschen, um größere zusammenhängende Flächen zu bekommen. Das liegt daran, dass der eigene Acker als besser empfunden wird und man den anderen Landwirten einfach nicht vertraut. Es müsste einen großen Gruppen- bzw. Ringtausch geben, aber dazu konnte sich auch niemand richtig durchringen. Da stehen den Beteiligten diverse soziale Barrieren im Weg. Die Frage nach einer Konsolidierung habe ich bei einem Landwirt gestellt, dieser hielt es für ausgeschlossen Ländereien zu tauschen. Mit einem seiner Nachbarn hätte er wohl gar keinen Kontakt, von daher ist es für ihn besser seinen Anteil zu behalten – da wüsste er was er hat.

Bis bald,

Kay

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